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Scribonius
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3. Gevierteilte und gehängte Mordbrenner

Die Räuberbande trieb nun ihr Unwesen im ganzen Sintfeld und Altenautal. Insbesondere hielten sich die Wegelagerer in den großen Waldungen der Egge auf. Viele Reisende wurden von ihnen erschlagen und beraubt, so in Dalheim, Kleinenberg, Willebadessen, Hardehausen, Scherfede und anderen Orten. Um diesem Unwesen ein Ende zu machen, wurde die Bande aufs Schärfste verfolgt. Man verhaftete zunächst ein Weib namens Schnackenkopf, das den Räubern Nahrung in den Wald gebracht und sie dabei mit Nachrichten über durchreisende Kaufleute versorgt hatte, die dann der Bande zum Opfer fielen. Dafür wurde diese Frau zum Tode verurteilt. Sie wurde in der Nähe von Kleinenberg aufs Rad geflochten und endlich enthauptet.

Kurz darauf wurde auch Scribonius in Haaren gefangen genommen und in Ketten nach der Wewelsburg gebracht. Nach einigen Tagen aber entsprang er dem Gefängnis, und man glaubte allgemein, daß das nicht ohne Hilfe des Teufels hätte geschehen können. Auf der Flucht soll er die ihm von seiner Mutter seinerzeit gegebene Feder verloren haben. Bestürzt über diesen Verlust glaubte er nun, daß das Glück ihn verlassen habe und er bald am Ende seines Lebens angelangt sei. So war es auch. Er wurde kurz darauf von seiner Geliebten verraten und auf einer Ziegelei in der Nähe Paderborns gefangen. Man brachte ihn gefesselt nach der Burg Dringenberg. Hier wurde er von dem fürstbischöflichen Oberamtsgericht zum Tode verurteilt. Im Dezember 1579 wurde er zur Strafvollstreckung nach dem Kloster Dalheim gebracht, das damals auch die Gerichtsbarkeit über Böddeken hatte. Hier wurde er an der Blutjanslinde, nicht weit vom Orte des Brudermordes, hingerichtet. Sein Körper wurde gevierteilt. Er starb unbußfertig und glaubte noch bis zuletzt, der Teufel würde ihn befreien.

Wenige Zeit danach wurde auch sein Hauptgenosse, Krummhänsken, ergriffen und gehängt. Auf gleiche Weise wurden zwei der Räuber in Dringenberg bei der Ausübung eines schändlichen Verbrechens ertappt und hingerichtet. Andere Räuber, die der Bande Scribonius angehangen hatten, wurden in Willebadessen und Heere (Neuenheerse) gefangen genommen und mit dem Tode bestraft. Zwei Mörder wurden an dem Galgen am Klusenberge (zwischen Bahnhof Neuenheerse und Driburg) erhängt. So war man der ganzen Bande habhaft geworden. Nur die Urheberin allen Unheils, die Mutter des Scribonius, wohnte weiter in Haaren, bis sie einige Zeit später elend starb.

Hans Seidensticker, Husen, 1958